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Warum sind die Zinsen so niedrig?

Ich glaube diese Frage hast Du dir auch schon gestellt. Es ist ja auch ärgerlich, man bekommt einfach keine Zinsen mehr auf das gesparte Geld. Natürlich kannst Du dein Geld in Sachwerte investieren (Aktien oder Immobilien um nur 2 Beispiele zu nennen), aber dein Cash wirft keine Erträge mehr ab.

Doch warum ist das so? Lass mich versuchen eine Erklärung dafür zu finden. Warum Du dir diese anschauen solltest? Weil diese dir die Illusion nimmt, dass Du bald wieder Zinsen bekommen wirst!

Zuerst betrachten wir einmal, wie man den Zins richtig betrachten muss! Wichtig ist der sogenannte Realzins. Davon zu unterscheiden ist der nominale Zins. Der Nominale Zins ist derjenige Zins, den Du schwarz auf weiß siehst. Wenn deine Bank dir sagt, dass Du 1% (schön wärs) Zinsen auf dein Konto bekommst, so ist der nominale Zins 1%. Der Reale Zins nimmt nun den nominalen Zins und rechnet die Inflation (Anstieg des Preisniveaus)  dagegen. Vereinfacht gesagt sind 1% Zinsen auf deinem Konto bei einer Inflation von 1% ein Realzins von Null! Die Inflationsrate lag nach Destatis in Deutschland bei 1,8% und 2019 bei 1,4%. Wenn Du nun auf deinem Konto 0,1% Zinsen bekommen hättest, so wäre deine Realverzinsung bei Minus 1,7% bzw. bei Minus 1,3% gewesen. Der Realzins wird also von 2 Faktoren bestimmt, den nominalen Zinsen und der Inflation.

Zinsen und Schulden sind ein kompliziertes Thema und ich will diesen Artikel nicht unnötig kompliziert oder lang machen. Aber folgendes: Deine Zinseinkünfte sind die Zinsausgaben eines anderen. Generell gilt: Wer Schulden hat bezahlt die Zinseinkünfte derjenigen, die das Geld verliehen haben. Und wer hat sehr hohe Schulden? Um es kurz zu machen, vor allem die Staaten haben in den letzten Jahren Schulden angehäuft. Dabei ist der Betrag in Euro völlig egal. Wichtig ist die Betrachtung der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP).

Laut Destatis lag die Verschuldung zum 4. Quartal des Jahres 2019 bei einigen ausgewählten Staaten wie folgt:

  • Griechenland: 176,5%
  • Italien: 134,8%
  • Frankreich: 98,1%
  • Spanien: 95,5%
  • Deutschland: 59,8%
  • Eurozone: 84,1%

Ich will jetzt nicht eine VWL-Vorlesung schreiben zum Thema Staatsschulden. Aber machen wir es einfach: Überlege was es bedeuten würde, wenn die Zinsen für diese Schulden um 1 oder 2 Prozentpunkte steigen würden. Wieder von Destatis am 13.05.2020 auf deren Seite angegeben betrugen die Deutschen Staatsschulden knapp 1,9 Billionen Euro. Also 1.900 Milliarden Euro! Wie gesagt wichtiger als der Euro Betrag ist die relative Verschuldung und da stehen wir gut da.

Wenn aber die Zinsen steigen, müsste Deutschland vereinfacht gesagt für jedes Prozent höhere Zinsen einen Betrag von 19 Milliarden Euro mehr an Zinsen bezahlen. Das wäre selbst für uns als Land viel Geld! Andere Länder hätten dadurch zum Teil sehr schwere Probleme das Geld aufzutreiben.

Da Zinsen der Preis für Geld sind können wir uns Fragen: Wie kommen so geringe Zinsen zustande? Ganz einfach: Angebot und Nachfrage! Wenn Du oder wer auch immer sich Geld leihen will, dann ist das Nachfrage am Geldmarkt. Sparst Du dagegen bist Du Anbieter von Geld. Wenn das Angebot höher als die Nachfrage ist dann sinkt der Preis und wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot dann steigt der Preis, in diesem Fall der Zins.

Leider leben wir in Europa in einer alternden Gesellschaft. Das heißt, es wird viel gespart um fürs Alter vorzusorgen. Was für den Einzelnen richtig ist, sorgt im Kollektiv für ein großes Geldangebot. Aber das alleine würde nicht reichen. Jetzt greift die EZB mit allerlei Programmen ein und druckt (Drucken ist es eigentlich nicht, aber sie schafft Geld aus dem nichts) und schafft so weiteres Angebot. Von diesem Überangebot profitieren alle, die sich Geld leihen wollen. Nicht nur Staaten, auch Häuslebauer und Firmen die sich Geld leihen bekommen dieses billiger.

Steigende Zinsen würde viele Schuldner in ernste Probleme bringen! Würde die EZB das Angebot verknappen, könnten viele Unternehmen, Haushalte oder vielleicht der ein oder andere Staat seine Schulden nicht mehr bezahlen.

Selbst wenn die EZB die Zinsen erhöhen wollen würde, kann sie dies nur langsam machen. Mehr Pleiten und eine Wirtschaftskrise würden nämlich dafür sorgen, dass weniger Kredite nachgefragt würden und die Menschen aus Sorge um Job und Zukunft mehr sparen würden! Das Überangebot von Geld bliebe zumindest vorerst bestehen!

Die einzige Möglichkeit (meiner Meinung nach), dass die Zinsen wieder ansteigen besteht darin, dass die Nachfrage nach Geld, also die Nachfrage nach Krediten steigt und die EZB das künstliche Angebot an Geld langsam zurückfährt. Alternativ würde es auch funktionieren, wenn die Menschen massiv weniger sparen würden. By the way genau das will die EZB ja: Kreditaufnahme attraktiver machen und sparen unattraktiver.

Doch wenn nun die Zinsen durch die höher Nachfrage steigen, muss das nicht gut sein! Eine höhere Nachfrage, so schön sie auch sein mag, kann dazu führen, dass die Inflation steigt. Am Ende könnest Du also vielleicht deine 2% auf dein Tagesgeldkonto bekommen, aber leider ist die Inflation dann bei 4% und Du stehst schlechter da als jetzt!

Was kannst Du nun tun? Ich empfehle die Anlage in Sachgüter und in Wissen. Reines Geldvermögen in Form von Bargeld und Kontoguthaben lohnt sich nicht und wird sich auf absehbare Zeit auch nicht wieder lohnen. Eine gewisse Cash-Reserve solltest du immer haben. Aber wenn Du Geld hast, dass Du nicht Zweckgebunden brauchst, so kann ich dir nur raten, dass in Sachwerte wie Aktien (auch in Form von Fonds und ETF´s), Immobilien oder andere reale Güter und in Wissen zu investieren!

Ansonsten droht dir der Verlust deines Geldes, wenn nicht des Eurobetrag doch dann zumindest die Kaufkraft des Geldes das Du hast.!

Wenn Du mehr davon hören willst, dann schreib mir! Ich werde dann eine Podcast Folge oder ein YouTube Video zu dem Thema machen. Bei Fragen schreibe mir gerne einfach! Vielen Dank fürs lesen, dein Harry!

Quelle für die Statistik: https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentliche-Finanzen/Schulden-Finanzvermoegen/_inhalt.html

Wichtiger Hinweis: Aus rechtlichen Gründen darf ich keine individuellen Einzelberatungen geben, Meine geäußerte Meinung und die Informationen die ich gebe stellen keine Aufforderung oder Empfehlung zum Handel dar. Sie ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. 

Tags: Finanzen

Harald Yamlicha

info@betheeagle.de

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